Frauen aus schleswig-holsteinischen Herrenhäusern – vom 13. bis ins 19. Jahrhundert
Ein Vortrag von Dr. Deert Lafrenz
im Herrenhaus | Eintritt frei | um Spenden wird gebeten*
Eine Geschichte der Frauen, die auf Herrenhäusern, Burgen und Schlössern des Landes residierten, ist noch nicht geschrieben. Dabei gab es unter ihnen selbstverständlich seit dem Mittelalter starke Persönlichkeiten, die in der Literatur zwar gelegentlich Erwähnung fanden, deren Lebensgeschichten jedoch selten ausführlicher erzählt wurden. Die meisten kennen wir gar nicht oder allenfalls dem Namen nach. Sie lebten im Verborgenen, im Schatten ihrer Männer.
Mitunter traten sie erst dann in Erscheinung, wenn sie in Ermangelung männlicher Erben Besitzerinnen eines väterlichen Gutes wurden und sich ihr Reiz auf dem Kieler Umschlag, dem Heiratsmarkt, dadurch schlagartig erhöhte. Entscheidendes Kriterium war bis weit in die Neuzeit ihre Gebärfreudigkeit, durch die sie sich nach dem dreizehnten oder fünfzehnten Kind oft genug verausgabt hatten, nur um möglichst rasch durch die nächstjüngere Schwester ersetzt zu werden. Herrschte Mangel im Freundes- und Bekanntenkreis, wurde schon einmal auf Geschwisterkinder zurückgegriffen. Den Begriff der Inzucht schien man lange nicht zu kennen oder als Herr im Hause nicht für sich gelten lassen zu wollen.
Der Vortrag stellt einige wenige dieser bekannt gewordenen Frauen vor und beleuchtet ihre zeittypischen, bisweilen überraschenden Lebensläufe und Lebensumstände. Der Bogen spannt sich von Mechthild von Holstein (1220/25–1288), die als Ehefrau König Abels von 1250 bis 1252 Königin von Dänemark war, bis zu Gräfin Sophie von Reventlow, Mutter eines Protagonisten der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848–1851).
Dr. Deert Lafrenz studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Archäologie und war bis zu seiner Pensionierung 2009 am Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein in Kiel tätig. Über 25 Jahre betreute er die Denkmalpflege zahlreicher Gutsanlagen und Herrenhäuser. Zudem wirkte er an der Neubearbeitung des Dehio Schleswig-Holstein und der Denkmaltopographie der Stadt Rendsburg mit und war ab 1999 für die wissenschaftliche Bearbeitung der Denkmaltopographie Schleswig-Holsteins verantwortlich. Er gilt als ausgewiesener Experte für die ländliche Baukunst, insbesondere die Guts- und Herrenhausarchitektur Schleswig-Holsteins.
Bild: Aurora Gräfin von Königsmarck (1662-1728) © Dr. Deert Lafrenz
*Erlöse und Spenden fliessen in den Erhalt der historischen Gutsanlage und den Nachlass von Victor von Plessen.